Sprachreise
Reise nach Valencia der letzten 11. Klasse aus dem sprachlichen Zweig
Am frühen Morgen des 8. März 2026 war es endlich soweit. Wir, der sprachliche Teil der 11. Klassen des St.-Bonaventura-Gymnasiums Dillingen, waren zwar müde – wir hatten die ganze Nacht schließlich kaum oder gar nicht geschlafen und es war noch dunkel draußen – aber trotzdem aufgeregt, denn gerade hob unser Flugzeug vom Stuttgarter Flughafen ab und markierte damit den Beginn einer erlebnisreichen Reise. Zwei Stunden und einen Sonnenaufgang später waren wir da. Zwischen alt aussehenden, in den unterschiedlichsten Rot- Braun- und Gelbtönen gebauten Hochhäusern, Palmen und Orangenbäumen betraten wir den Boden der direkt am Mittelmeer gelegenen spanischen Stadt Valencia. Mit dem Taxi Shuttle fuhren wir in die Innenstadt und wurden dann von unseren jeweiligen Gastfamilien begrüßt und in unser neues Zuhause geführt. Sie sollten uns im Verlauf der Reise mit Lunchpaketen und abends bei ihnen zu Hause verpflegen. Dort blieben wir dann erst einmal, bis wir uns mittags zum Picknick am Strand trafen. Es folgte ein Altstadt-Besuch, wo wir Schüler verschiedene Sehenswürdigkeiten gegenseitig vorstellten, die wir im Vorfeld schon vorbereitet hatten. Da wir in Valencia waren, konnten wir unsere Vorträge natürlich direkt vor Ort halten und unsere Referate wurden zu einer spektakulären Sightseeing-Tour. Danach konnten wir noch die charmante mediterrane Stadt eigenständig erkunden, bis wir abends nach Hause zurückkehrten. Beim Umherlaufen in der Stadt wurden wir des Öfteren vom Lärm explodierender Böller erschreckt – zu diesem Zeitpunkt befand die Stadt sich nämlich schon im Feiermodus… die “Fallas de Valencia“ hatten begonnen, ein weltweit bekanntes Fest zum Josefstag, bei dem jeden März eine gewaltige Menge an Pyrotechnik zum Einsatz kommt, was sowohl professionell bei Events als auch privat gezündet wird. Oft sahen (und hörten!) wir Böller, die überall auf die Straßen und Wege geworfen wurden und kleine Kinder, die eine Knallerbse nach der anderen auf den Boden pfefferten. Außerdem gab es jeden Tag um 14:00 Uhr eine riesige Feuerwerksveranstaltung am Rathausplatz, die “Mascletá”. Diese sorgte täglich dafür, dass sämtliche Busse stundenweise nicht durch die Stadt fahren konnten… Doch bald schon war dieser erste, spannende Tag in Valencia vorbei und wir kehrten im Zuhause unserer Gastfamilien ein, um zu Abend zu essen und unseren lang ersehnten Schlaf endlich zu erhalten.
Nachdem wir am Montag aufgestanden waren und unser erstes Frühstück in Spanien genossen haben, mussten wir unsere Wohnungen schon bald verlassen, um in die Schule zu gehen. Allerdings nicht so wie gewohnt, sondern wir besuchten eine Sprachschule, in der wir uns mit spanischer Grammatik, aber auch Sprechsituationen und valencianischen Gepflogenheiten auseinandersetzen. Am Nachmittag gingen wir dann wieder an den Strand, wo wir uns mit verschiedenen Spielen wie Tauziehen amüsierten. Danach erkundeten wieder die Stadt und gingen zum Abendessen nach Hause.
Am Dienstag besuchten wir wieder die Sprachschule. Diesmal dachten wir uns Fragen an die Valencianos aus, zum Beispiel ob sie Real Madrid oder den FC Barcelona besser finden oder ob sie für oder gegen die wegen Umweltverschmutzung umstrittenen Fallas sind. Ziel unserer Fragenattacke wurden die Verkäufer und Besucher des Mercado Central, übersetzt „Zentralmarkt“, die sich für unsere Umfrage zum Glück gerne von ihrer Arbeit abhalten ließen. Am Nachmittag nahmen wir diesmal an einer Führung durch die Lonja de la Seda teil, ein spätgotisches Gebäude, das zwischen 1482 und 1533 erbaut wurde. “Lonja de la Seda“ bedeutet „Seidenbörse“. Das Gebäude war nämlich jahrhundertelanglang ein bedeutendes Handelszentrum für Seide und andere Waren, aber es wurden dort auch Verträge geschlossen und Streitigkeiten geregelt. Die Lonja de la Seda war nämlich eine Oase des ehrlichen und sicheren Handels, wo Verträge öffentlich geschlossen wurden und Verstöße rechtlich verfolgt werden konnten. Unsere Führung begann im “Patio de los Naranjos“, dem Orangengarten, der im Zentrum des Gebäudes angesiedelt und üppig mit Orangenbäumen und anderen Gewächsen bepflanzt ist. Von dort aus erkundeten wir die Innenräume der Lonja. An der Fassade und im Inneren des Bauwerks konnten wir überall die vielfältigen und detaillierten Ornamente bestaunen, die das gesamte Bauwerk schmücken. Diese aufwändigen Verzierungen und das palastähnliche Erscheinungsbild des Bauwerks spiegeln den Reichtum und die Macht Valencias im Mittelalter wider. Seide wird dort heute zwar nicht mehr gehandelt, aber die Lonja de la Seda ist bis heute ein bedeutendes Monument, als Weltkulturerbe und Sitz der Kulturakademie Valencias.
Weiter oben wurde schon über das Fest der Fallas geschrieben und die Pyrotechnik, die dort massenhaft eingesetzt wird. Das ist tatsächlich nicht die Hauptattraktion dieses Frühlingsfests. Während unseres Aufenthalts in Valencia konnten wir nämlich den Aufbau riesiger, bunter Figuren beobachten, die wie das Fest an sich ebenfalls „Fallas“ genannt werden. Zunächst waren sie in ihren Einzelteilen verpackt, dann sahen wir immer mehr der aus Styropor, Karton und Holz bestehenden Figuren im Aufbau. Gegen Ende unseres Aufenthalts in Valencia sah man sie schon beinahe fertiggestellt: Mehrere Meter hohe, cartoonhafte Konstellationen aus kleineren Figuren, den “Ninots”, die sich jeweils zu einer großen Szene verbinden. In den unterschiedlichsten Themen, Farben und Formen wurden die imposanten Kunstwerke in ganz Valencia zur Schau gestellt. Über fast ein Jahr hinweg wurden sie gebaut – es werden nämlich jedes Jahr neue Fallas hergestellt. Das müssen sie auch, denn die Zeit, in der sie die Straßen von Valencia schmücken, markiert das Ende ihres kurzen Lebens. Am Abend des 19. März, des Josefstags, findet die“Cremá” statt, wo die Figuren in einem spektakulären Event verbrannt werden. Nur jeweils ein Ninot, eine einzelne kleine Figur, aus allen Fallas wird jedes Jahr vor den Flammen bewahrt und in das speziell zu diesem Zweck gegründete „Museo Fallero“ gebracht, und genau dorthin führte uns unsere Reise am Mittwoch. Dort bestaunten wir die Vielzahl an Figuren, die vor der Cremá gerettet wurden, wie vielfältig sie waren und sie über die Jahre immer farbenfroher und komplexer wurden. Von Figuren in den unterschiedlichsten Gewändern über Alltagsszenen in Häusern und spielerischen Fantasieszenarien bis hin zu Satire und Einbezüge aus der Popkultur, wie auch einer kleinen Yoda-Figur, war wirklich alles dabei.
Mit dem Donnerstag begann unser letzter Tag in Valencia. Wir verabschiedeten uns von unseren Gastfamilien und begaben uns auf ein letztes Abenteuer in der uns mittlerweile gut bekannten Stadt am Mittelmeer. Es ging zur Ciudad de las Artes y las Ciencias, der Stadt der Künste und der Wissenschaften. Wir sahen uns zuerst einen Film auf der halbkreisförmigen, riesigen Kuppel des Hemisfèric, des Kinos und Planetariums der Ciudad an und gingen dann zum Museum der Wissenschaften. Neben den Ausstellungen über Raumfahrt, Biologie und andere Wissenschaften überzeugte es wie der Rest des Komplexes durch eine spektakuläre, einzigartige Architektur, die dem Skelett eines Wals nachempfunden ist. Zum Abschluss unserer Reise aßen wir noch valencianische Spezialitäten wie die Paella, oder ein speziell gewürztes Hühnchen mit Reis und Gemüse, in der Bar Mestalla und dann hieß es Abschied nehmen. Von unserem Flieger zurück nach Stuttgart aus warfen wir einen letzten Blick auf Valencia, blickten zurück auf jenes besondere Abenteuer, bevor die strahlende Stadt am nächtlichen Horizont verschwand.
geschrieben von Noah Schmucker, über die Spanien-Reise der sprachlichen Schülerinnen und Schüler aus den 11. Klassen des Bonaventura-Gymnasiums Dillingen an der Donau, 2026










