Klassentreffen
Ein ganz besonderer Besuch am Bona
Liebe Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler des St. Bonaventura Gymnasiums!
Ob man sich als junger Mensch vorstellen kann, sich nach 60 Jahren an der Schule wieder zu treffen, an der man gemeinsam neun Jahre verbracht hat?
Von unserem Schulleben möchten wir Euch ein bisschen etwas erzählen – es unterscheidet sich doch sehr von dem, wie Ihr es heute erlebt.
Wir mussten damals alle eine Aufnahmeprüfung in Deutsch, Mathematik und Religion bestehen und noch dazu einen mündlichen Probeunterricht. Übertrittszeugnisse aus der Grundschule (früher Volksschule) gab’s nicht. Was Ihr Euch sicher auch nicht vorstellen könnt: Wir waren in der damaligen 1. Klasse 36 Mädchen, alle katholisch, keine Buben dabei. Es gab eine strenge Kleiderordnung: Hosen waren verboten, wir trugen immer Röcke und Blusen oder Kleider und zwar keine ärmellosen oder weit ausgeschnittenen! T-Shirts waren unbekannt. Bis Dezember musste man noch die Probezeit bestehen. Nach zwei Jahren Realprogymnasium in St. Immaculata in der Klosterstraße kamen wir ins siebenjährige Deutsche Gymnasium St. Josef. Inzwischen waren wir weniger Schülerinnen geworden. Einige Stadt-, einige Fahrschülerinnen und Schülerinnen, die im Internat St. Theresia wohnten, sowie etliche Schülerinnen, die im klösterlichen Internat lebten und eigentlich nach dem Abitur ins Kloster der Franziskanerinnen eintreten wollten. Beim Abitur waren wir 18 Schülerinnen. Es gab jeweils nur eine Klasse pro Jahrgang.
Wir hatten bis auf ganz wenige Ausnahmen Franziskanerinnen als Lehrkräfte, unvergessen bis heute.
Bei einer Schulbesichtigung, die dankenswerterweise Frau Sirch durchführte, sahen wir mit Staunen, was heute an moderner Technologie selbstverständlich ist.
Wir freuten uns, dass wir die Kapelle von St. Immaculata sehen durften. Das ganze übrige Gebäude war für uns natürlich neu. Wir waren ja in St. Josef am Kirchplatz, der gleichzeitig unser Pausenhof war.
Was haben wir in unserem Leben gemacht? In unserer Klasse gibt es vor allem Lehrerinnen, an der Grund- und Mittelschule, an Förderzentren für Lernen und Sprachentwicklung und soziale Entwicklung sowie an Förderzentren bei Beeinträchtigung aller Bereiche des Hörens, an Realschulen (Deutsch, Englisch), Gymnasien (Musik, Kunst, Latein, Sport, Chemie, Biologie), an der Fachakademie für Sozialpädagogik (Kunst), und Ärztinnen für Allgemeinmedizin, eine Kinderärztin und Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, eine Biochemikerin mit eigenem Labor in Quito (Ecuador) sowie eine Künstlerin, deren Werke z.B. im Meditationsraum St. Immaculata zu betrachten sind (Wandgemälde und Fenster). Sie lebt als Franziskanerin in Dillingen. Außerdem sind wir auch Mütter und Omas geworden. Inzwischen sind wir alle wieder in Bayern und Baden-Württemberg, so dass die Wege nach Dillingen nicht so weit sind.
Von uns 18 Abiturientinnen sind 17 am Leben, dafür sind wir sehr dankbar. Und 14 Mitschülerinnen konnten zu unserem Treffen kommen.
Wie blicken wir auf unsere Schulzeit zurück? Non scholae sed vitae discimus – Vieles haben wir vergessen, aber wir sind der Meinung, dass es auf die innere Haltung ankommt, auf ein gemeinsames Wertefundament, das Verbundenheit und Sicherheit gibt.
Wir haben bei unserem Klassentreffen gespürt, dass Freundschaft bestehen bleiben kann ebenso wie die Liebe zu Musik und Kunst, die wir auch in der Schule vermittelt bekamen.
Bei unserer Abiturfeier am 16. Juli 1966 wurde das Deutsche Gymnasium St. Josef ganz offiziell in Musisches Gymnasium St. Bonaventura der Franziskanerinnen Dillingen umbenannt.
Wir wünschen Euch allen eine erfüllte, schöne Schulzeit, an die Ihr Euch genauso gern erinnert wie wir, und dass Ihr Euch nach 60 Jahren Abitur froh und vergnügt in Dillingen treffen könnt!
Natürlich auch schon vorher, wie wir es auch alle paar Jahre gemacht haben, abgesehen davon, dass wir auch digital gut miteinander vernetzt sind.
I.Moser
